Serie: 111 Orte im Burgenland, die man gesehen haben muss – Teil 2

Im April hat mich ein Sturz vom Pferd drei Wochen außer Gefecht gesetzt und es waren wirklich drei lange lange Wochen. Zu Hause sitzen, Fuß hochlagern, kühlen und schmieren. Umso mehr genieße ich es jetzt wieder draußen, zu sein. Reiten ist laut Arzt noch ein Tabu, aber spazieren gehen ist erlaubt. Und deshalb habe ich heute die nächsten zwei Orte von „111 Orten im Burgenland, die man gesehen haben muss“ für euch.

In charmanter Begleitung machte ich mich auf den Weg in „Die Hölle“. Ja, ihr habt richtig gelesen. Was für Neulinge im Seewinkel noch zu fragenden Gesichtern führt, ist für uns Einheimische selbstverständlich und vertraut. Was genau hinter dem Namen steckt, konnte bis heute nicht restlos geklärt werden. Der Name könnte sich aus der ursprünglichen Bezeichnung „Auf der Höhe“ abzeichnen, woraus dann im Laufe der Jahre die „Hölle“ wurde. Möglicherweise könnten auch die oft sehr hohen Temperaturen im Sommer, welche die Landwirte an eine Hölle erinnerten, dazu geführt haben und die Bezeichnung ging irgendwann in den Sprachgebrauch über.

Während die einen zum Arbeiten in einen der zahlreichen Weingärten kommen, genießen die anderen die einzigartige Landschaft und ihre Tier- und Pflanzenwelt. Salzlacken, Feuchtwiesen, Schilfgürtel und Seevorgelände sind neben dem sandigen Seedamm charakteristisch für die Bewahrungszone „Illmitz Hölle“. Ein Paradies für Vogelgucker, aber auch Pferdenarren. Denn auf dem südlichen Seevorgelände grasen die Przewalski-Pferde, eine Stammform unserer Hauspferde. Die Urwildpferde wurden durch massive Bejagung und die Ausdehnung der Weidewirtschaft an den Rand ihrer Lebensräume gedrängt. Das letzte frei lebende Przewalski-Pferd wurde 1969 gesehen. Im Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel werden die Pferde auf ein Leben in der freien Wildbahn vorbereitet. Im Jahr 2005 konnten die ersten Tiere wieder in ihrer ursprünglichen Heimat ausgewildert werden.

   

Zwar nicht am gleichen Tag, aber wieder bei Sonnenschein, spazierte ich zum Kriegsgefangenfriedhof, in Volksmund auch Serbenfriedhof genannt. Dieser befindet sich etwas außerhalb meiner noch Heimatgemeinde Frauenkirchen, die Ungarn seit jeher „Boldogassony“ genannt haben. Im Jahr 1914 entstand dort auf Esterhazy-Grund eines der ältesten Kriegsgefangenenlager „Boldogasszony“ der Monarchie. Die Kriegsgefangenen stammten vorwiegend aus Serbien, Russland und Italien.

Geblieben ist davon nur der Friedhof am westlichen Ortsrand. Auf dem Friedhof fanden zwischen 4.500 und 6.000 Menschen ihre letzte Ruhe. Der Großteil der Verstorbenen fiel aufgrund der damals mangelhaften hygienischen Vorkehrungen dem Flecktyphus zum Opfer. Während die kleine Kapelle an die verstorbenen Gefangenen aus Italien erinnern soll, weckt das imposante Mahnmal, auch Serbenkreuz genannt, die Erinnerung an die serbische und russische Bevölkerung.


Eigentlich nicht das typische Ausflugsziel für einen Spaziergang, aber dennoch ein Besuch wert. Ein schaurig-schöner Ort an dem Leben und Tod nahe beieinanderliegen und der die Geschichte von Menschen erzählt, die ihre Spuren in Burgenlands Geschichte hinterlassen haben.

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