Wie gefährlich ist Vernunft…

Fast jeder kennt das: Man steht vor einer Entscheidung und weiß nicht „Wo einem der Kopf steht“. Was sagt der Bauch, was sagt der Kopf oder das Herz? Was ist richtig und was ist falsch? Ich spreche hier nicht über die Anschaffung einer neuen Jeans oder einem neuen Handy. Ich spreche hier von emotionalen Entscheidungen.

Ich bin in diesen Entscheidungsdingen bis jetzt immer ganz gut gewesen. Da ich ein Bauchmensch bin, höre ich meist auf mein erstes Bauchgefühl und das hat mich bis lang auch nicht im Stich gelassen.

Dieses Jahr hab ich mir die Frage gestellt, ob mich meine Beziehung noch glücklich macht. Eine Beziehung, die sich schon lange nicht mehr richtig anfühlte. Die mich eigentlich nur noch runtergezogen hat und in der ich nicht mehr ich selbst sein konnte, geschweigenden mein Ich-Selbst akzeptiert wurde. Es war, als hätte mich jemand technisch programmiert, mein Verhalten und meine Abläufe in alltäglichen Dingen. An sich waren wir ja ein gutes Team, aber reicht das für ein Leben zu zweit? Obwohl mein gegenüber Besserung gelobte, war ich nicht bereit es nochmal zu versuchen. Zum einem sagte mir mein Bauch und mein Kopf NEIN! – was sehr verwunderlich war, dass die beiden einmal einer Meinung waren – zum anderem hätten sich nach kurzer Zeit Besserung die alten Muster langsam wieder eingeschlichen, da es sich hierbei um Automatismen handelt, die das Unterbewusstsein abspielt. Dieses Verhalten führte meist zu Verletzungen und wo es Verletzungen gibt, spielt auch Angst mit. Und Angst sorgt dafür, dass wir uns aus unserer Komfortzone und unserer Gewohnheit nur schwer wegbewegen wollen. Weil das Gewohnte sich vertraut anfühlt, selbst wenn es nicht guttut. Und das Neue Angst macht, selbst wenn es Glück verspricht. Lieber akzeptieren wir die Situation und schauen was passiert, statt aktiv zu werden und zu riskieren.

Wer nicht auf sein Gefühl hört, sondern nur nach Für- und Gegenargumenten und Vernunft entscheidet, stürzt sich kopfüber in Unzufriedenheit. Andere werden vielleicht damit zufriedengestellt, aber das eigene Glück bleibt dabei auf der Strecke. Die eigenen Bedürfnisse werden zugunsten der Vernunft unterdrückt und man fragt sich, ob man wirklich das Leben lebt, das man auch leben will oder ob man nicht ein Leben lebt, das andere einfach nur ruhigstellt. Die Angst vor Veränderung, schickt uns zurück auf den vermeintlich sicheren Weg – welcher uns doch eigentlich unglücklich macht. Bislang hat es ja funktioniert, wenn auch mehr schlecht als recht. Wir haben Angst vor dem, was uns erwarten könnte, der Ungewissheit. Ich in meinem Fall wusste, ich musste aktiv werden und aufwachen. Ich habe mich meiner Angst gestellt und der Ungewissheit ins Auge geblickt und meine Entscheidung nicht bereut.

Aber wieso ich heute diese Gedanken mit euch teile ist, dass ich mich momentan auch irgendwie „Zwischen“ etwas fühle. Ich weiß nicht, was richtig und was falsch ist. Mein Kopf sagt „Was fragst du mich, was zu tun ist?“, mein Bauch macht auch keine Anstalten mir irgendeinen Hinweis zu geben, und da mein Herz zurzeit sowieso macht, was es will und ich mir nicht sicher bin, ob ich dem noch trauen kann, ignoriere ich es mal lieber. Ich befinde mich nun wieder an einem Punkt meines Lebens, an dem ich nicht weiß, soll ich weiter gerade ausgehen oder doch lieber abbiegen. Ich frage mich, ob ich auf einer Straße ohne Ziel bin und ich auf dieser Straße weiterfahren soll, in der Hoffnung einen Ort zu finden, an dem ich bleiben möchte? Kann etwas, dass sich so unglaublich gut anfühlt, falsch sein? Kann etwas das so verdammt wehtut, richtig sein?

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