Warum es schwer fällt, einfach nichts zu tun…

In den letzten Monaten fällt es mir nicht leicht, nichts zu tun. Immer wieder erwische ich mich kurz auf der Couch verweilend und schon kommt mir der Gedanke: „Du kannst nicht einfach hier sitzen und nichts tun!“ Es schleicht sich ein schlechtes Gewissen ein und ich denke, dass meine Zeit eigentlich zu schade ist, um unproduktiv zu sein. So richtig bewusst wurde mir das am letzten Sonntagvormittag. Ich fragte mich ernsthaft: „Kann es sein, dass ich das Faulenzen, das einfache „Nichtstun“, das ich doch perfekt beherrscht hatte, einfach verlernt habe?“

Für viele Menschen ist „Nichtstun“ einfach nur verlorene Zeit. Da sind Eltern, die von ihren Kindern zu viel erwarten. Männer, die sich fragen, ob ein Bier nach der Arbeit schon zu viel ist. Frauen, die sich dauerhaft unwohl fühlen im eigenen Körper. Dann sind da noch diejenigen, die sich ständig puschen, um überall die Besten und Schnellsten zu sein und die immer mehr zunehmend jungen Menschen mit Prüfungs- oder Partnerschaftsstress. Und ich nehme mich da nicht raus. Ich frage mich ständig, welche Aufgaben noch auf mich warten, was ich nicht schaffe und welche oftmals unerreichbar erscheinenden Anforderungen an mich gestellt werden. Zu einer Pause komme ich oft erst, wenn ich merke, ich bin am Ende meiner Kräfte angelangt und es geht nun wirklich nicht mehr.

Dass das heutige Leben kaum noch Pausen kennt, kann unter Umständen an der seelischen Gesundheit nagen. Und wir bezahlen einen sehr hohen Preis für diese Ruhelosigkeit: Zerstreutheit, Unsicherheit und Überforderung. Es entsteht der Eindruck, dass die Seele dem gesellschaftlichen Leistungsdruck und der extremen Schnelllebigkeit nicht mehr hinterher kommt. Dabei ist es besonders wichtig, die Seele baumeln zu lassen, sich zu entspannen und Zeit für sich selbst zu haben. Den permanenten Stress und Leistungsdruck zu entkommen und sich auf sich selbst zu konzentrieren. Nach solchen Momenten der Entspannung steigt unsere Leistung wieder enorm an und daher ist diese Zeit keine verlorene, sondern eine überaus nützliche. Denn nach solchen Ruhephasen steigt die Kreativität und wir sind offen für neue Ideen.

 

do Nothing

 

Erkennst du dich wieder? Kommst du auch nicht zur Ruhe und wenn ja, hast du dann ein schlechtes Gewissen? Es gibt sogar einen „Tag des Nichts“ – der 16. Januar ist ein Tag, an dem einfach nichts ist. Leider ist dieser Tag nun schon vorüber, aber bis zum nächsten Mal könnt ihr noch fleißig üben. Und sollten euch wieder Schuldgefühle plagen, wenn ihr wirklich einmal nichts tun wollt, dann trickst euer Gehirn aus und gebt euch einfach selbst die Erlaubnis dazu.

 

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6 Kommentare zu „Warum es schwer fällt, einfach nichts zu tun…

  1. Ein sehr gelungener Beitrag und ja, ich erkenne mich darin definitiv wieder. Mir fällt es extrem schwer, einfach mal nichts zu tun, ohne dass mich sofort ein schlechtes Gewissen beschleicht. Aber wie du richtig sagst, habe auch ich irgendwann erkannt, dass es schon alleine für die körperliche und geistige Gesundheit wichtig, nein notwendig! , ist, sich Pausen zu gönnen.
    Jetzt muss sich nur noch das schlechte Gewissen endlich verpissen :D aber ich werde das nächste Mal versuchen, deinem Rat zu folgen und es auszutricksen ;)
    LG, Kay.
    http://www.twistheadcats.com

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    1. Guten Morgen liebe Kay,

      einerseits freut es mich zu hören, dass es nicht nur mir so geht. Ich dachte schon, ietwas stimmt mit mir nicht. ;) Andererseits stimmt es mich nachdenklich, warum das so ist bzw. es anscheinend immer mehr Menschen in unserer Zeit so geht. Hängt es vielleicht wirklich mit dieser Schnelllebigkeit und der Angst ietwas zu verpassen zusammen? Wenn ja, sollte sich dringend etwas ändern in unserer Gesellschaft. Aber ich hoffe, du schaffst es meinen Rat auch umzusetzen und ich bin positiv gestimmt, dass es uns bei den warmen Temperaturen wieder etwas leichter fällt abzuschalten. Hab einen schönen Tag…

      LG
      Doris

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      1. Ich bin sogar überzeugt davon, dass es an der Schnellebigkeit und vor allen aber an dem damit verbundenen Gefühl der Austauschbarkeit liegt. Du hast recht, in unserer Gesellschaft sollte sich schleunigst etwas ändern!..

        Liebe Grüße, Kay.

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  2. oh ja, das kenne ich sehr gut. ich habe das „nichtstun“ mit dem vollzeitjob verlernt. als ich noch studiert hab, gab es einfach genügend zeit für hobbies, interessen und eben auch das nichtstun. jetzt ist die freie zeit so kostbar geworden, dass sie sich durch das nichtstun verschwendet anfühlt. nach einer weile des freizeitstress fordert der körper bei mir meist ohnehin seinen tribut und dann merke ich, es ist zeit, zeit fürs nichtstun einzuräumen. im moment steht das grade hoch im kurs. und auch wenn ich zeitweise sehnsüchtig überlege, was ich nicht grade alles tun könnte, weiß ich, dass es keinen sinn machen und mir letztlich keinen mehrwert bringen würde, mich länger von der couch runter zu quälen.

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    1. Dann bist du mir immerhin schon einen Schritt voraus! Ich muss dir schon recht geben, dass Aufgaben dann oft halbherzig und unmotiviert verrichtet werden! Aber ich werde versuchen beim nächsten Mal meine Gedanken auch an den fehlenden Mehrwert zu richten :)

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