Schubladen im Kopf

Eine kleine Unterhaltung mit einer Freundin hat mich heute dazu bewogen, diesen Beitrag zu schreiben. Das Thema liegt mir schon länger auf der Zunge, aber ich hatte mich noch nicht drüber getraut. Wir leben im 21. Jahrhundert und in einer Gesellschaft, die schlimmer als früher oder einfach nur anders ist?

Ganz ehrlich, darüber möchte ich nicht urteilen. Denn die Veränderung der Gesellschaft hängt von vielen einzelnen Faktoren ab, welche sich mit der Zeit verändert haben. Aber über was ich mir ein Urteil erlaube, ist dass wir in einer Gesellschaft voller Vorurteile leben.

Je vielseitiger und schwieriger ein Thema ist, desto mehr gehen die Meinungen auseinander. Oft kommt es dann vor, dass man mit Vorwürfen und Anschuldigungen konfrontiert wird. Aber was ist eine Meinung? Ist eine Meinung nicht die Wiedergabe eines persönlichen Werturteils? Ist das wesentliche Merkmal einer Meinung nicht, dass sie nicht „richtig“ oder „falsch“ sein kann? Meinungen kann man nicht überprüfen und das unterscheidet sie von Tatsachen.

Grundsätzlich behaupte ich von mir, dass ich ein reflektierter Mensch bin. Ich denke über mein Verhalten nach, gebe auch Fehler zu und versuche, an mir zu arbeiten. Und ich bin auch gerne bereit mir meine Fehler vor Augen führen zu lassen, wenn ich sie mal selbst nicht erkenne. Zu dieser Reflexion gehört aber auch, dass ich versuche nicht mehr zu lästern oder zumindest zwei Mal über die Dinge nachzudenken, bevor ich etwas von mir gebe.

Ich habe oft das Gefühl, dass die Menschen nicht mehr zuhören, sondern lediglich den Teil einer Diskussion auffassen, der sie persönlich betrifft oder von dem sie sich angegriffen fühlen und sofort mit Emotionalität und Impulsivität reagieren. Die Meinung der Menschen wird geprägt von der Persönlichkeit, dem Umfeld und den Erfahrungen, die sie gemacht haben. Wenn ich meine Meinung äußere, dann möchte ich anderen nicht sagen, wie sie leben sollen oder was sie zu tun haben. Wenn ich meine Meinung äußere, dann teile ich doch eigentlich nur Erlebnisse und Emotionen, aus denen meine Meinung entstanden ist.

Das Recht darauf, eine differenzierte Meinung zu haben, wird einem häufig abgesprochen, weil andere nicht zu hören oder einfach eine andere Meinung nicht akzeptieren und unser Gegenüber verurteilen. Wie kommen Menschen auf die Idee, anderen ihre Meinung absprechen zu wollen, weil sie nicht ihrer eigenen entspricht? Wieso hören wir nicht einfach mal zu und hören die Meinung und den Standpunkt des Gegenübers? Viel zu oft vergessen wir, dass auf der anderen Seite ein Mensch mit anderen Ansichten, Emotionen und einer eigenen Persönlichkeit steht.

Es wird immer Menschen geben, die eine andere Meinung haben – das ist auch etwas Tolles und es macht doch auch Spaß eine förderliche und belebte Diskussion zu führen. Konstruktive Kritik soll zum Nachdenken anregen und auf beiden Seiten einen Nutzen hervorrufen. Konstruktive Kritik sollte auf keinen Fall verletzend sein oder beleidigend. Warum begegnen wir uns nicht wieder mit mehr Feingefühl und versuchen auch den anderen zu verstehen?

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2 Kommentare zu „Schubladen im Kopf

  1. Sehr schön geschrieben!! Ich glaube, dass diese Veränderung auch ganz viel mit den neuen Möglichkeiten zu tun hat, die unsere Gesellschaft dank Social Media und Co mittlerweile hat. Jeder kann seine Meinungen frei hinausposaunen. Und irgendwer wird schon „Gefällt mir“ klicken. Und damit fühlt sich gleich mal jeder im Recht. Es kommt aber keiner und sagt, „nein, das stimmt nicht“. Wäre schön, wenn wieder mehr echter, anregender Diskurs geführt würde… dann gäbe es auch weniger/ nicht so festgefahrene Schubladen im Kopf!

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    1. Vielen Dank! :) Da bin ich ganz deiner Meinung. Social Media hat unsere Kommunikation und unseren Umgang miteinander sehr verändert – leider nicht immer zum Positiven. Es ist schwer geworden „echten, anregenden Diskurs“ zu führen, da sich jeder sofort angegriffen fühlt und anstatt die Lage sachlich zu betrachten, alles sehr persönlich genommen wird. Dadurch entsteht auch ein gewisser Tunnelblick, wenn man nur sein eigenes betrachtet und durch diese – ich nenn es nun mal Engstirnigkeit – entstehen leider diese festgefahrenen Schubladen im Kopf. Seine Meinung frei aussprechen, darauf hat/soll jeder ein Recht haben, aber ich würde mir mehr Offenheit und Akzeptanz für andere Meinungen wünschen! :)

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